Materialien zum Nationalsozialismus
Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung in Österreich

Reichsstatthalterei 1940–1945 / Arisierungen

Zur Abteilung IV der Reichsstatthalterei Oberdonau gehörte in der Unterabteilung IVc (Wirtschaft und Arbeit) das Sachgebiet IVc/W4 mit dem Aufgabenbereich der "Entjudung (mit Ausnahme des landwirtschaftlichen Grundbesitzes)", ab 1944 lautet das Aktenzeichen Ib/J. Wegen der Konkurrenz zwischen Deutschem Reich, Land Österreich und GauDer Gau war territoriales Gliederungselement der NSDAP. Gauleiter, also Inhaber eines Parteiamtes, waren oft auch Reichsstatthalter und damit Inhaber eines staatlichen Amtes Oberdonau, auch wegen häufiger politischer Interventionen und halboffizieller Aktivitäten, sind die in den Akten dokumentierten Vorgänge der ArisierungenArisierung ist jede Art des Entzugs von Vermögen von Personen, die im Sinne der Nürnberger (Rasse-)Gesetze als Juden galten. Arisierungen verliefen sowohl in (auch den NS-Gesetzen zuwider laufender) "wilder" als auch in (den NS-Gesetzen entsprechender) pseudo-legaler Form oft unübersichtlich und vielfach mit den entsprechenden Beständen der FinanzlandesdirektionDie den lokalen Finanzämtern vorgesetzte Dienststelle der Finanzverwaltung. Die Finanzlandesdirektionen (FLD) waren für die Vollziehung des 1. und des 2. Rückstellungsgesetzes ((vgl. BGBl Nr. 156/1946), (vgl. BGBl Nr. 53/1947)) zuständig. Die Akten zu diesen Verfahren sind großteils erhalten und sehr umfangreich. Sie enthalten meist zahlreiche Akten aus der NS-Zeit, die den Vermögensentzug dokumentieren. Die sieben Finanzlandesdirektionen wurden 2004 in eine "Steuer- und Zollkoordination" zusammengeführt und neu gegliedert: Steuer- und Zollkoordination/Region West (Tirol, Vorarlberg) Steuer- und Zollkoordination/Region Mitte (Oberösterreich, Salzburg) Steuer- und Zollkoordination/Region Ost (Niederösterreich, Burgenland) Steuer- und Zollkoordination/Region Süd (Steiermark, Kärnten) Steuer- und Zollkoordination/Region Wien (Wien) (BestandSammlung von Aktenmaterial, das üblicherweise von einer Behörde produziert und später einem Archiv übergeben wurde BV-VR, vgl. Finanzlandesdirektion Beschlagnahmte Vermögen, Finanzlandesdirektion Vermögensrückstellungen) und der Finanzabteilung (Bestand FiRk, vgl. Finanzabteilung Bestand Rückstellungen (FIRK)) verknüpft. Die Akten sind nicht nach Aktenzahlen, sondern nach den Namen der Enteigneten, manchmal auch der enteigneten Objekte, geordnet und beginnen in Einzelfällen schon mit der Einsetzung kommissarischer VerwalterZwangsverwaltung eines Betriebes zwischen 1938 und 1945 durch kommissarische Verwalter. Sie spiegeln die (bürokratisch erfassbaren) Vorgänge bis zur Liquidierung der Vermögensobjekte, sofern diese vor 1944 erfolgte, wo dies nicht der Fall war, schließen oft nahtlos die Rückstellungsvorgänge an, wodurch sich Überschneidungen mit dem Bestand der gerichtlichen Rückstellungsakten (RückstellungskommissionIn 1. Instanz zuständig für die Vollziehung des 3. Rückstellungsgesetzes (vgl. BGBl Nr. 54/1947). Das Gesetz regelte die Ansprüche auf entzogenes Vermögen, das sich in privater Hand befand. Nach dem Gesetz wurde der zahlenmäßig größte Anteil der Rückstellungsverfahren durchgeführt: Bestand "Sondergerichte-RK", vgl. LG Linz, Sondergerichte – Rückstellungskommission) ergeben. Bei der Übergabe im Jahre 1972 wurden die Akten zusammen mit den "Vermögensentziehungs-Anmeldungen" (vgl. Vermögensentziehungsanmeldung) als Mischbestand "Vermögensakten" der Reichsstatthalterei aufgenommen. Die Übergabe des zugehörigen Kanzleiindex (Landesregierung Indizes Hs. 85) bot 1996 den Anlass zur Trennung der beiden Aktengruppen.

Standort:Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA)
Provenienz:Reichsstatthalterei
Träger:Flachware/Original Mikrofilm
Umfang:36 Kartons
Zeitraum: 1940–1945
Ordnung:alphabetisch
Details zur Ordnung:Ordnung nach Namen und Objektnamen

Hilfsmittel für die Suche im Bestand (Findbehelf):


Ansprechperson(en):
  • Goldberger Josef, Dr.
    josef.goldberger@ooe.gv.at, ++43 (0)732 7720-14647