Materialien zum Nationalsozialismus
Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung in Österreich

Sammlung Politische Akten

"Anläßlich der Erfassung des Materiales für das von der Bundesregierung in Wien als Unterlage für den Staatsvertrag gedachte Rot-Weiß-Rot-Buch wurden im Jahre 1946 die Registraturen der Bezirkshauptmannschaften nach Akten über die NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (1933–1945) durchsucht. Sie sollten, nachdem sie für diesen Zweck ausgewertet worden waren, wieder an die betreffenden Ämter zurückgestellt werden. Über mündlichen Auftrag des Herrn Landeshauptmannes Dr. H. Gleißner jedoch verblieben sie im Landesarchiv. Von den 15 Bezirkshauptmannschaften haben nur 9 die Akten eingesendet. Es sind dies: Braunau am Inn, Eferding, Gmunden, Grieskirchen, Kirchdorf an der Krems, Linz-Land, Ried im Innkreis, Schärding und Steyr; die Amtsstelle in Freistadt, bei der die politischen Akten damals nicht auffindbar waren, wird diese noch einzusenden haben. Bei den Bezirkshauptmannschaften Perg und Rohrbach sowie Wels sind die Akten über die NSDAP in den Maitagen 1945 vernichtet worden; Vöcklabruck hinwieder hat die Abgabe der politischen Akten an das Landesarchiv verweigert und hat mit der Redaktion des Rot-Weiß-Rot-Buches (vgl. : Rot-Weiß-Rot-Buch. Gerechtigkeit für Österreich! Darstellungen, Dokumente und Nachweise zur Vorgeschichte und Geschichte der Okkupation Österreichs (nach amtlichen Quellen)) in Wien direkt verkehrt. Die Bezirkshauptmannschaft Urfahr ist 1939 aufgelöst worden, und damals wurden die aus der VerbotszeitNS-Bezeichnung für die Zeit des Verbots der NSDAP während des Ständestaates vom 19.6.1933 bis zum 12.2.1938 der NSDAP stammenden Schriften vernichtet. Mit den erwähnten Akten vereinigt wurden die für oben genannten Zweck eingesendeten Berichte von öffentlichen Dienststellen und Personen über die Auswirkungen der nationalsozialistischen Herrschaft in Oberösterreich, von denen die der Gendarmerieposten mit Beilagen reichlich versehen sind. Hierher gehören auch die höchst interessanten Aufzeichnungen über die bestandenen Widerstandsbewegungen. Hiezu gelangten noch Drucke, Flugschriften und Fotografien, die das Gauarchiv über die NSDAP und ihren Gliederungen sowie über die Vaterländische FrontAm 20.5.1933 vom österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß geschaffene "überparteiliche" politische Organisation zur Zusammenfassung aller "regierungstreuen" Kräfte Österreichs (Einheitspartei), andere politische Parteien waren verboten (Ständestaat) und deren Wehrverbänden gesammelt hat. Sie wurden szt. vom Leiter des Gauarchives, Karl Stuchl, dem Landesarchiv übergeben. Dazugegeben wurden auch die kurz vor dem Zusammenbruch des Großdeutschen Reiches von der Reichsstatthalterei Oberdonau übergebenen Vorträge des Reichskanzlers Adolf Hitler vor den Reichs- und Gauleitern (1942/43) und jene des Gauleiters von Oberdonau Eigruber vor dem Führer in Angelegenheit der Planung der Stadt Linz (1941/43). Die Sichtung und Ordnung des Bestandes erfolgte in den Wintermonaten 1951 und 1952."
(Aus dem Vorwort des alten Archivverzeichnisses, 1952)

"In den letzten Jahrzehnten wurden dem BestandSammlung von Aktenmaterial, das üblicherweise von einer Behörde produziert und später einem Archiv übergeben wurde zahlreiche Einzelstücke und Registratursreste angeschlossen, die sonst nirgends hineinpaßten. Durch eifriges, aber nicht immer fachgerechtes Benützen war auch die Ordnung in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich bestand die Gefahr, daß wegen der Bekanntheit, die der Bestand durch die Bücher Slapnickas erlangte, die Materialien bald irreversible Schäden erleiden würden. Deshalb wurde der Bestand 1990/91 durchgesehen, neu eingeschachtelt, neu verzeichnet und anschließend in der Zentralregistratur verfilmt. Anläßlich der Übernahme der Akten der BHBezirkshauptmannschaft Gmunden 1993 wurden die dort zufällig erhaltenen NS-Akten den "Politischen Akten" angereiht. Ursprünglich sollte das gedruckte Verzeichnis durch EDV-Recherchemöglichkeit ersetzt werden. Da dies bisher nicht durchzusetzen war, wird nun doch wieder ein konventionelles Verzeichnis aufgelegt."
(Aus dem Vorwort des neuen Archivverzeichnisses, 1995)

"Die Akten der BH Gmunden sind die sogenanten "Nationalsozialisten-Akten", die sowohl Registraturreste der SASturmabteilung Standarte J6 (Bad Ischl) als auch des Entnazifizierungs-Büros OPI enthalten. Außerdem finden sich in dem Gesamtbestand "Politische Akten" auch Reste der Registratur der Landesleitung der "Ostmärkischen Sturmscharen" sowie des nationalsozialistischen "Gauarchivs", dessen Hauptbestand 1945 vernichtet wurde, sowie einige Manuskripte von "Führervorträgen" u.ä."
(Archivhomepage)

Der Bestand ist auf Mikrofilm einsehbar.

Standort:Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA)
Provenienz:BHsBezirkshauptmannschaft
Träger:Flachware/Original Mikrofilm
Umfang:60 Kartons, 17 Faszikel
Zeitraum: 1930–1950
Details zur Ordnung:Ordnung nach BH

Hilfsmittel für die Suche im Bestand (Findbehelf):


Ansprechperson(en):
  • Goldberger Josef, Dr.
    josef.goldberger@ooe.gv.at, ++43 (0)732 7720-14647