Matriken

Die Personenstandsführung – also die Verzeichnung der Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle – war lange eine rein kirchliche Angelegenheit. In Österreich erfolgte sie seit 1784 (in Salzburg seit 1819) durch die staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften in staatlichem Auftrag: Die Pfarrämter der Katholischen und der Evangelischen Kirche sowie die Israelitischen KultusgemeindenOrganisation der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Österreich verzeichneten die Daten in eigenen Registern ("MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität"), die unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt sind: Tauf- oder Geburtenbücher, Heirats-, Trauungs-, Familien- oder Ehebücher, Begräbnis- oder Sterbebücher. Diese Personenstandsbücher wurden chronologisch geführt, oft gibt es aber auch ein Namensverzeichnis, das sie erschließt. Zu den Personen sind unterschiedlich genaue Informationen angeführt (u.a. Name, Alter, Beruf, Zuständigkeit, Religion, Wohnort, Stand, Eltern, Datum von Geburt/Eheschließung/Tod).

Kirche und Staat

Für Konfessionslose waren ab 1868 (Ehe) bzw. 1870 (Geburt, Tod) die Bezirkshauptmannschaften (in Wien der Magistrat) zuständig. Diese "staatliche Personenstandsführung" wurde 1939 durch die Übernahme des deutschen Personenstandsgesetzes (RGBl I 1937, S. 1146ff) in Österreich zur Norm erhoben (RGBl I 1938, S. 803, RGBl I 1938, S. 1919f). Von diesem Jahr an erfolgte die Führung der amtlichen MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität ("Zivilmatriken") durch die neu geschaffenen Standesämter, die den jeweiligen Bezirkshauptmannschaften unterstanden (in Wien ist heute die Magistratsabteilung 35 – Einwanderung, Staatsbürgerschaft, Standesamt die den Wiener Standesämtern übergeordnete Stelle). Daneben führten aber auch die Kirchen ihre Register ("Pfarr- oder Kirchenmatriken") als rein kirchliche Amtsbücher weiter. Die staatliche Personenstandsführung (und damit auch die obligatorische Zivilehe) wurde in Österreich nach 1945 beibehalten (vgl. StGBl Nr. 31/1945).

Einen Sonderfall bildet das (ehemals ungarische) Burgenland, wo die Pfarrmatriken bereits 1895 ihre Rechtsgültigkeit verloren haben und die Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle aller Personen in staatlichen Registern verzeichnet worden sind.

Suche in den MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität

Für die Suche einer Person in den MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität sollte man in der Regel ihren Namen, ihren Geburts-, Ehe- bzw. Sterbeort und ihre Konfession kennen. Den direktesten und einfachsten Zugang zu den MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität bietet das Online-Portal Matricula: http://www.icar-us.eu/cooperation/online-portals/matricula. Matricula ist jedoch erst im Aufbau begriffen, viele österreichische MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität sind noch nicht digitalisiert (Stand 01/2016). Wird man bei Matricula nicht fündig, muss man daher die entsprechende Pfarre bzw. Gemeinde kontaktieren. Zweitschriften der katholischen MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität sind oft auch in den Diözesan- oder Landesarchiven zu finden. Für die Einsicht in die Bücher gelten verschiedene staatliche Rechtsvorschriften (Personenstandsgesetz 1983, Datenschutzgesetz 1978). Einträge, die älter als 100 Jahre sind, können problemlos eingesehen werden, bei jüngeren muss ein Verwandtschaftsverhältnis oder ein rechtliches Interesse bestehen. Die Landesarchive geben auf ihren Homepages im Zusammenhang mit genealogischen Hinweisen in der Regel sehr gute Tipps zur Benützung von MatrikenVerzeichnis(se) von Personen, z.B. Geburts-, Heirats- und Sterbematriken, aber etwa auch Verzeichnisse von Studierenden an einer Universität.

Weiterführende Hinweise

http://www.icar-us.eu/cooperation/online-portals/matricula
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bezirke_in_Österreich (Wikipedia-Liste der Bezirke Österreichs)
http://www.standesbeamte.at/ (Gemeinde- und Standesamtsverzeichnis des Fachverbandes der österreichischen Standesbeamten)
http://www.austria.gv.at/site/3937/default.aspx (kirchliche Archive)
http://www.katholisch.at (Homepage der Katholischen Kirche, von hier kann man auf die Homepages der Diözesen mit ihren Pfarrverzeichnissen wechseln)
http://www.martinus.at/pfarren/index.html (Pfarrverzeichnis der Diözese Eisenstadt)
http://www.kath-kirche-vorarlberg.at/pfarren (Pfarrverzeichnis der Diözese Feldkirch)
http://www.katholische-kirche-steiermark.at/pfarren (Pfarrverzeichnis der Diözese Graz-Seckau)
http://www.kath-kirche-kaernten.at/pages/dekanat.asp (Pfarrverzeichnis der Diözese Gurk-Klagenfurt)
http://www.dioezese-innsbruck.at/index.php?id=232&language=1&portal=1 (Pfarrverzeichnis der Diözese Innsbruck)
http://www.dioezese-linz.at/portal/wirindeinernaehe/pastoraleknotenpunkte/pfarren (Pfarrverzeichnis der Diözese Linz)
http://www.kirchen.net/wen-finde-ich-wo/ (Pfarrverzeichnis der Diözese Salzburg)
http://www.dsp.at/pfarren/ (Pfarrverzeichnis der Diözese St. Pölten)
http://www.erzdioezese-wien.at/site/menschenorganisation/pfarrenordengemeinschafte/pfarren (Pfarrverzeichnis der Diözese Wien)
http://www.ihff.at (Institut für Historische Familienforschung)
http://www.genteam.at/ (Ortsverzeichnis mit ca. 70.000 Orten in Tschechien, Österreich und Slowenien, mit alten und heutigen Schreibweisen, zuständigen Pfarren und Vorpfarren, Archivbereichen und Gerichtsbezirken bzw. Kronland)

Weiterführende Literatur:

Wilfried Beimrohr: Die Matriken (Personenstandsbücher) der Diözese Innsbruck und des Tiroler Anteils der Erzdiözese Salzburg
Rudolf Geyer: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matrikenführer und Familienforscher
Georg Grüll: Die Matrikeln in Oberdonau
Alois Niederstätter/Josef Seidl: Von der Wiege bis zur Bahre. Personenstandsführung in alter und neuer Zeit. Referate des 18. Vorarlberger Archivtages 2008 (http://www.vorarlberg.at/pdf/ks9niederstaetter_seidlvo.pdf)
Alois Ruhri: Die pfarrlichen Altmatriken in der Steiermark
Walter Zeyringer: Das Personenstandswesen in Österreich - Geschichte, Gegenwart und Zukunft