Grundbuch

Das Grundbuch ist ein öffentliches und frei zugängliches Verzeichnis, das der Verwaltung des gesamten Grund und Bodens dient. Die Grundbuchführung liegt bei den Bezirksgerichten, die für jede Katastralgemeinde ein eigenes Grundbuch (das sogenannte Hauptbuch) führen, in dem – nach EZ geordnet – alle Liegenschaften der entsprechenden KG mit ihrer Widmung (landwirtschaftliche Nutzung, Bauland etc.), ihren Eigentümern und ihren Belastungen verzeichnet sind.

Aufbau des Grundbuchs

Das A-Blatt (Gutsbestand) enthält eine Liste der zu einer EZ gehörenden Grundstücke mit ihrer Widmung sowie allfällige Rechte (Wasserentnahme, Durchfahrt etc.), die einzelne Grundstücke betreffen.

Das B-Blatt (Eigentum) hält fest, wer Eigentümer einer Liegenschaft ist. Gibt es mehrere, ist auch festgehalten, welche Anteile jeder einzelne Eigentümer besitzt. Ersichtlich sind aber nicht nur die aktuellen Eigentumsverhältnisse, sondern auch alle früheren Eigentümer seit der Anlage des Grundbuchs.

Das C-Blatt (Belastungen) enthält vor allem Informationen über hypothekarische Belastungen der Liegenschaft (Pfandrechte).

Urkundensammlung

Parallel zum Grundbuch führen die BGs für alle KGs ihres Zuständigkeitsbereichs gemeinsam eine nach Jahrgängen geordnete Urkundensammlung, in der – unter fortlaufender Nummer, also chronologisch – jene Unterlagen abgelegt werden, die die Basis für die Einträge im Grundbuch bilden (z.B. Kaufverträge). Bei jedem Eintrag im Grundbuch ist die Urkundennummer angegeben, auf die sich der Eintrag bezieht. Will man daher wissen, was die Grundlage etwa für einen Eigentümerwechsel in der NS-Zeit ist (Beschlagnahme, Enteignung, Zwangsverkauf), so notiert man die bei dem Eintrag stehende Urkundennummer und sucht diese dann in der Urkundensammlung. Genauso geht man mit Hinweisen auf Rückstellungsverfahren nach 1945 vor, die im Grundbuch angemerkt werden mussten. Über ihren Ausgang erfährt man, wenn ein Rückstellungsbescheid erging (der dann in der Urkundensammlung zu finden ist). Endete ein Verfahren hingegen mit einem außergerichtlichen Vergleich, so hinterließ das weniger Spuren im Grundbuch.

Benützung

Bis in die 1980er-Jahre waren Grundbücher tatsächlich Bücher, d.h. es gibt sie tatsächlich jeweils nur in einem Exemplar. Danach erfolgte die Umstellung auf das sogenannte Elektronische Grundbuch, das ebenso aus A-, B- und C-Blatt besteht, aber nur noch elektronisch vorliegt und – allerdings kostenpflichtig – in den BGs bzw. online (http://www.justiz.gv.at/internet/html/default/2c9484852308c2a601240b4acb4b0842.de.html) abfragbar ist. Auch die Urkunden sind mittlerweile (seit 2005) nur mehr elektronisch erfasst. Für die Recherche historischer Zusammenhänge muss man aber die alten Bücher zur Hand nehmen.
Hier finden Sie eine kurze Anleitung, wie Sie im Grundbuch nach historischen Informationen suchen können.

Probleme in der Praxis

Infolge zahlreicher Auflassungen und Zusammenlegungen von BGs in den letzten Jahrzehnten (aber auch infolge von Grenzverschiebungen bei den KGs) ist die Überlieferung der Grundbücher und Urkundensammlungen sehr komplex und nicht einfach nachzuvollziehen. Oft liegen ein Grundbuch und die zugehörige Urkundensammlung nicht am selben Ort, oft sind Bände vom BG schon an ein Landesarchiv abgegeben worden. Die auf dieser Plattform angebotene Datenbank gibt Auskunft darüber, in welchem der (einschließlich des BGs für Handelssachen Wien) zurzeit 115 (Stand 05/2020) österreichischen BGs bzw. in welchem Landesarchiv ein historisches Grundbuch und die zugehörige Urkundensammlung heute zu finden sind.

Sondergrundbücher

Sonderformen des Grundbuchs sind die Landtafeln und das Eisenbahnbuch. Die Landtafeln dienten der Erfassung adeliger Güter, sie wurden nicht pro KG, sondern pro Kronland geführt und erst 1989 definitiv aufgelassen. Das Eisenbahnbuch ist das letzte bestehende Sondergrundbuch. Es verzeichnet pro Bahnlinie unter einer eigenen EZ dieselben Informationen wie das Grundbuch. Jede von einer Bahnlinie betroffene KG erhält bei der entsprechenden EZ eine Teileinlage, in der die zur Bahnlinie gehörenden Grundstücke dieser KG verzeichnet sind. Die Trennung zwischen Hauptbuch und Urkundensammlung ist nicht in der gleichen Weise geregelt wie beim Grundbuch, die Urkunden liegen mit den Tagebuchzahlen des Hauptbuchs in eigenen Bündeln. Geordnet sind die Eisenbahnbücher nach den Namen der Bahnen (z.B. Österreichische Nordwestbahn, Kaiser Franz Josefs Bahn) oder nach der Streckenführung (z.B. Lokalbahn St. Pölten-Tulln, Kemmelbach-Ybbs). Eisenbahnbücher liegen in Österreich an sieben Standorten – und zwar im BG Feldkirch, BG Graz-Ost, BG Innere Stadt Wien, BG Innsbruck, BG Klagenfurt, BG Salzburg und im Oberösterreichischen Landesarchiv. Zuständig ist das Gericht, das dort, wo die Bahnlinie ihren Ausgang nimmt, seinen Sitz hat.

Weiterführende Literatur
Hans Türr: Praktischer Führer durch das Grundbuch
Für Salzburg: Jacqueline Kowanda: Übersicht über die Veränderungen bei den Gerichtsbezirken/Bezirksgerichten und Katastralgemeinden im Land Salzburg ab 1850 (Stand: März 2007) (=Sonderdruck aus: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 148. Vereinsjahr, 2008)
Für Tirol: Wilfried Beimrohr: Mit Brief und Siegel: Die Gerichte Tirols und ihr ältestes Schriftgut im Tiroler Landesarchiv
Für Wien: Brigitte Rigele: Staatliche Gerichte