Materialien zum Nationalsozialismus
Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung in Österreich

Zivilakten der NS-Zeit / Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich ["Bürckel-Materie"]

Das Reichskommissariat für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich (vgl. RGBl I 1938, S. 407f) war jene zentrale Behörde, die im Zeitraum von 1938–1940 die Integration Österreichs in den NS-Staat organisierte. Sie war eng mit der Person des Reichskommissars Josef Bürckel verknüpft. Nach ihm wurden die Aktenbestände auch "Bürckel-Materie" genannt.
In dem sehr umfangreichen Bestand finden sich zahlreiche Dokumente zu wesentlichen Punkten der Geschichte Österreichs in der NS-Zeit: die Konzeption der Arisierungsvorgänge, die Planung der Deportationen. Der Bestand ist strukturiert wie jede Regierung, es existieren Bestandsgruppen zur Außenpolitik, Innenpolitik, Wirtschaft, Justiz, Erziehung (Volksbildung), zum Schulwesen und Verkehr, kurz zu jedem wichtigen Bereich der Verwaltung. Ausgenommen sind lediglich Angelegenheiten der Verteidigung (Wehrmacht).
In diesem Bestand existieren umfangreiche Unterlagen zu Arbeits- und Sozialrecht, ArisierungenArisierung ist jede Art des Entzugs von Vermögen von Personen, die im Sinne der Nürnberger (Rasse-)Gesetze als Juden galten. Arisierungen verliefen sowohl in (auch den NS-Gesetzen zuwider laufender) "wilder" als auch in (den NS-Gesetzen entsprechender) pseudo-legaler Form., Auswärtiges, Auszeichnungen, Bahnen, Banken, Beamten, Bergwesen, Börsen, Deutsche ArbeitsfrontDie Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde in Deutschland am 10.5.1933, wenige Tage nach der Zerschlagung der Gewerkschaften, gegründet. Durch die zwar freiwillige, jedoch erwünschte Einheitsmitgliedschaft und die zahlreichen von dieser Einrichtung organisierten Aktivitäten war es dem NS-Regime möglich, die arbeitende Bevölkerung sowohl im Beruf als auch in der Freizeit zu kontrollieren und zu beeinflussen., Energiewirtschaft, Film, Finanzfragen, Forstwesen, Fürsorge, Gaue, Gemeindewesen, Gesundheitswesen, Grenzverkehr, Hochschulen, Holzwirtschaft, Justizwesen, Kinos, Krankenkassen, Kreditwesen, Kultus, Kultur, Kunst, Landwirtschaft, Luftfahrt, Musik, Parteiangelegenheiten, Pensionsrecht, Personalangelegenheiten, Polizei, Preisbildung, Presse, Propaganda, Rassengesetzgebung, Raumordnung, ReichsarbeitsdienstDer Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 im Deutschen Reich eingeführt. Dem Reichsinnenministerium angegliedert und ursprünglich eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, war der RAD – indem er Jugendliche in Arbeitslager zusammenfasste und militärisch ausbildete – bald auch Instrument der nationalsozialistischen Erziehungsarbeit. Seine Ableistung war Pflicht., Rundfunk, Sammlungswesen, Schifffahrt, Schulen, Sport, Städtebau, Steuern, Tabakregie, Tarife, Theater, Vereine, Verkehr, Vertretungsbehörden im Ausland, Versicherungsrecht, Volksabstimmung, Wirtschaft, Wohnungswesen, Siedlungswesen, Zoll.
Im Kt. 1 findet sich die Mappe 4.3 („Verwertung d.i. [der in] Judengeschäften befindlichen Warengegenständen“ [sic]).

Literatur:
Gerhard Botz: Bürckel und die Wiener Stadtverwaltung
Gerhard Botz: Die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich. Planung und Verwirklichung des politisch-administrativen Anschlusses (1938-1940)
Gerhard Botz: Wien vom "Anschluß" zum Krieg. Nationalsozialistische Machtübernahme und politisch-soziale Umgestaltung am Beispiel der Stadt Wien 1938/39
Karl Höffkes: Hitlers politische Generale. Die Gauleiter des Dritten Reiches. Ein biographisches Nachschlagewerk
Peter Hüttenberger: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP
Lorenz Mikoletzky: Josef Bürckels Dienststelle und die Steiermark 1938/39. Ausgewählte Materialien aus dem Amt des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich
Gerhard Paul: Josef Bürckel. Der rote Gauleiter
Helfried Pfeifer: Die Ostmark. Eingliederung und Neugestaltung. Historisch-systematische Gesetzessammlung nach dem Stande vom 16.4.1941

http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=5578

Standort:Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA) / Archiv der Republik (AdR)
Provenienz:Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen ReichDas Amt des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich war eine neu geschaffene politische Funktion, in der Josef Bürckel v. 23.4.1938 bis zum 31.3.1940 mit der Aufgabe betraut war, die Ostmark politisch, wirtschaftlich und kulturell völlig in das Deutsche Reich einzugliedern. (Wiedervereinigungsgesetz, Anschluss)
Träger:Flachware/Original
Umfang:240 Kartons
Angaben zur Vollständigkeit:Geringfügige Skartierung der "Namensregistratur" im Wiener Reichsarchiv unmittelbar nach der Ablieferung des Schriftguts
Zeitraum: 19381940
Details zur Ordnung:Ordnung nach Themen

Hilfsmittel für die Suche im Bestand (Findbehelf):


Ansprechperson(en):