Materialien zum Nationalsozialismus
Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung in Österreich

Bestandsgruppen, archivübergreifend

Unter dem Begriff Bestandsgruppen sind Materialien zusammengefasst, die für bestimmte Fragen – insbesondere für die Recherche zu einzelnen Personen – von Bedeutung sind, aber entweder schwer zugänglich sind (z.B. Akten der Kammern der freien Berufe) oder verstreut an verschiedenen Orten liegen (z.B. Verlassenschafts- und Pflegschaftsakten in den Bezirksgerichten).


Kammern / Berufsständische Vertretungen

Die Kammern der freien Berufe verfügen über jene historischen Aufzeichnungen, mit deren Hilfe es möglich ist, über rassistisch bzw. politisch motivierte Berufsverbote während der NS-Zeit Auskunft zu erhalten. Im Einzelfall ist es allerdings schwierig, dieses Material zu benützen, da die Kammern aus Datenschutzgründen Einsichtsgenehmigungen nur sehr restriktiv erteilen. Zu den gesetzlichen Grundlagen vgl. Berufsverbote.
Literaturhinweis Alexander Mejstrik/Therese Garstenauer/Peter Melichar/Alexander Prenninger/Christa Putz/Sigrid Wadauer: Berufsschädigungen in der nationalsozialistischen Neuordnung der Arbeit. Vom österreichischen Berufsleben 1934 zum völkischen Schaffen 1938-1940.

Kammern / Berufsständische Vertretungen anzeigen

Matriken

Die Personenstandsführung – also die Verzeichnung der Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle – war lange eine rein kirchliche Angelegenheit. In Österreich erfolgte sie seit 1784 (in Salzburg seit 1819) durch die staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften in staatlichem Auftrag: Die Pfarrämter der Katholischen und der Evangelischen Kirche sowie die Israelitischen Kultusgemeinden verzeichneten die Daten in eigenen Registern ("Matriken"), die unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt sind: Tauf- oder Geburtenbücher, Heirats-, Trauungs-, Familien- oder Ehebücher, Begräbnis- oder Sterbebücher. Diese Personenstandsbücher wurden chronologisch geführt, oft gibt es aber auch ein Namensverzeichnis, das sie erschließt. Zu den Personen sind unterschiedlich genaue Informationen angeführt (u.a. Name, Alter, Beruf, Zuständigkeit, Religion, Wohnort, Stand, Eltern, Datum von Geburt/Eheschließung/Tod).

mehr ...

Matriken anzeigen

Bezirksgerichte

Zu den Akten der Bezirksgerichte (vgl. Brigitte Rigele: Staatliche Gerichte) gehören neben dem Grundbuch u.a. auch Verlassenschafts- und Pflegschaftsakten. Diese können für Fragen des Vermögensentzugs ebenfalls von Bedeutung sein. Im Einzelfall empfiehlt es sich, zu überprüfen, ob diese Akten bereits dem jeweiligen Landesarchiv übergeben wurden oder noch im zuständigen BG liegen. Eine Liste der aktuellen BGs finden Sie hier: https://http://www.justiz.gv.at/home/gerichteBrigitte Rigele: Staatliche GerichteG141Brigitte Rigele: Staatliche GerichteG91Brigitte Rigele: Staatliche GerichteG154Brigitte Rigele: Staatliche GerichteG149Brigitte Rigele: Staatliche Gerichte


Bezirksgerichte anzeigen

Bezirkshauptmannschaften

Zu den Akten der Bezirkshauptmannschaften gehören sehr unterschiedliche Materialien, die aber in vielen Bereichen zentrale Themen des Vermögensentzugs, der Restitution und der Entnazifizierung berühren. So finden sich hier häufig NS-Verordnungen und -Erlässe sowie Jugendfürsorgeakten aus der NS-Zeit, aber auch Polizei- und Heimatrechtsakten, Akten zum Personenstandswesen und zur Staatsbürgerschaft, Vereins-, Schul-, Kultus- und Gewerbeakten, Akten zum Kraftfahrwesen oder zu Bauangelegenheiten. Unter den Dokumenten aus der Zeit nach 1945 sind die Akten der Vermögenssicherung besonders hervorzuheben, also jene Akten, die sich auf die Anmeldung entzogener Vermögen (vgl. dazu: Objekt existiert nicht: G100138 FEHLREFERENZ) oder auf Deutsches Eigentum beziehen, sowie die Registrierungsakten ehemaliger Nationalsozialisten (vgl. dazu: Objekt existiert nicht: G100014 FEHLREFERENZ), die zwecks Entnazifizierung angelegt wurden. Auch Akten der Kriegsschädenämter finden sich in den Beständen der BHs.


Bezirkshauptmannschaften anzeigen

Meldewesen

Historische Meldeunterlagen können dazu benützt werden, Personen zu identifizieren, da diese Unterlagen meist nicht nur Auskunft über die Wohnadresse, sondern auch über den Familienstand, über Ehepartner und Kinder, über das Geburtsdatum und die Staatsbürgerschaft geben. Das Meldewesen ist kommunale Aufgabe, daher sind die historischen Meldeunterlagen je nach Gemeinde sehr unterschiedlich überliefert. Besonders gut ist die Überlieferung in Wien. Meldeunterlagen sind meist entweder alphabetisch nach Personennamen oder nach den einzelnen Häusern, in denen die Personen gelebt haben, geordnet. Sie bestehen aus Meldezetteln und Meldebüchern.

mehr ...

Meldewesen anzeigen

Alle Bestandsgruppen

Alle Bestandsgruppen anzeigen