Materialien zum Nationalsozialismus
Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung in Österreich

Restitutionsmaterialien [Allgemeine Materialien]

Der Bestand enthält Dokumente aus den Jahren 1943 bis 1948 zu den Themen Entzug, Bergung und RückstellungAls Rückstellung ist im strengen Wortsinn der österreichischen Gesetze die Zurückgabe von zwischen 1938 und 1945 entzogenen Vermögenswerten zu verstehen. (Rückstellungsgesetze) von Kunstgegenständen unter besonderer Berücksichtigung der großen öffentlichen staatlichen Sammlungen und der zahlreichen Bergungsorte in Niederösterreich:

- Bergung / Rückführung (70 Kartons):
Dieser Bestandteil enthält Mappen zu den Bergungsorten (v.a. in Niederösterreich) sowie Material zu allgemeinen – v.a. logistischen – Fragen der Bergung und Rückführung. Die Archivalien zum Bergungsort Kremsmünster bestehen überwiegend aus nach unterschiedlichen Ordnungskriterien erstellten Verzeichnissen (insbesondere zur "Linzer Sammlung" – jeweils mit Provenienzangaben), aus Transportlisten, Angaben (zu Verkäufern, involvierten Kunsthandlungen, Leihgaben und Schenkungen aus österreichischem Musealbesitz an Behörden), Dokumenten zu Bergungsfragen, Korrespondenzen zu grundsätzlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Thema "Führermuseum" nach Kriegsende etc. Als Nebenbestand der Salzburger Materialien sind die sogenannten Property Cards erwähnenswert. Es sind rund 900 Stück, mengenmäßig stimmen sie also nicht ganz mit der Zahl der aus München rückgeführten Gegenstände überein. Die meisten Dokumente zu den Bergungen – mit Ausnahme der Archivalien zum Bergungsort Aussee – enthalten nur wenige objekt- oder eigentümerbezogene Informationen. Im umfangreichen, sechs Kartons umfassenden Material zu Aussee sind die Bergungsmaßnahmen im Salzbergwerk mit zahlreichen Bergungslisten dokumentiert. Zu finden sind hier u.a. Listen zu Kunstgegenständen aus dem Eigentum bekannter jüdischer Sammler, aus sogenanntem unbekannten österreichischen bzw. ausländischen Eigentum, Listen zu den Einlagerungen aus dem "Führermuseum" etc.

- Sicherstellung / Beschlagnahme / Verteilung (2 Kartons):
Der Bestandteil enthält – vielfach in Form von Korrespondenzen – Informationen zu Sicherstellungen und Beschlagnahmungen von Kunstgegenständen, zur Übernahme und Verteilung beschlagnahmter Objekte sowie dementsprechende Transportlisten. In den Kartons finden sich weiters die sogenannten Ursprungslisten. Bei diesen handelt es sich um ein Verzeichnis von rund 100 sichergestellten und später größtenteils enteigneten Sammlungen mit handschriftlich angefügten Bemerkungen zur Deponierung der Gegenstände sowie zur späteren Ausfolgung, sprich RestitutionDer aus dem Englischen kommende Begriff "Restitution" für Rückstellung bürgerte sich seit den 1990er-Jahren auch im deutschen Sprachraum ein., an die Eigentümer oder deren Rechtsvertreter. Ein weiterer v.a. für die objektorientierte Recherche sehr aufschlussreicher Bestand ist die sogenannte Posse-Korrespondenz (der Schriftverkehr des Leiters des Instituts für Denkmalpflege Herbert Seiberl mit Hans Posse bzw. Hermann Voß und Gottfried Reimer). Weitere Kartons (Kt. 21–25) enthalten bis etwa in die 1970er-Jahre reichendes Material zu Restitutionsfragen, wobei hier zwischen Dokumenten zur "äußeren" Restitution (also der Restitution in diverse europäische Staaten und die USA) und solchen zu Restitutionsfragen innerhalb Österreichs zu unterscheiden ist. Letztere sind nach Bundesländern (Burgenland, Steiermark, Tirol, Kärnten und Vorarlberg) geordnet.

- Mauerbach (2 Kartons):
Die Unterlagen im Mauerbach-BestandDas Bundesgesetz v. 4.8.1995, mit dem das 2. Kunst- und Kulturgutbereinigungsgesetz geändert wurde (vgl. BGBl Nr. 515/1995), regelte den Umgang mit jenen seit Kriegsende unter der Verwaltung des Bundesdenkmalamts in der niederösterreichischen Kartause Mauerbach gelagerten rund 8.000 Kunst- und Kulturgegenständen, die jüdischen Familien während der NS-Zeit geraubt worden waren –Familien, die bzw. deren Nachkommen nach 1945 nicht mehr ausfindig gemacht werden konnten. Dieses "herrenlose Gut" sollte durch eine freiwillige öffentliche Versteigerung veräußert und der Erlös für bedürftige Holocaust-Opfer verwendet werden. Zu diesem Zweck wurden die Kunstgegenstände dem Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs übertragen. Das Auktionshaus Christie’s führte die Versteigerung Ende Oktober 1996 im Museum für angewandte Kunst durch und konnte dem damals gegründeten International Steering Committee etwa 120 Mio. öS als finanzielle Basis des Mauerbach-Fonds übergeben. enthalten Listen, die mit der Einlagerung von Objekten in der Kartause Mauerbach (und in anderen Depots) in den 1960er-Jahren in Zusammenhang stehen. Bei diesen Objekten handelte es sich um Kunstgegenstände, die aus dem sogenannten Münchner Restbestand nach Österreich zurückkamen, darunter Objekte, die für das Linzer Kunstmuseum angekauft wurden. Weiters befinden sich in den Akten Informationen über die Ankäufe Martin Bormanns, über Objekte, die für die Ausstattung des Schlosses Posen gedacht waren, sowie über Bestände aus dem Schloss Fischhorn (einem ehemaligen SS-Depot) und über Restbestände aus Altaussee und aus den Depots in Wien, Linz und Salzburg. Neben Listen und Berichten zur Adaptierung der Kartause gibt es Mappen mit Korrespondenzen zum Umgang mit dem Kunst- und Kulturbereinigungsgesetz (vgl. BGBl Nr. 294/1969).

- Fotos (1 Karton):
Der Karton enthält Fotos zum Kunstmuseum Linz.

http://www.provenienzforschung.gv.at/de/leitfaden/archiv/restitutionsmaterialien/

Standort:Bundesdenkmalamt (BDA) / Archiv [Büro der Kommission für Provenienzforschung]
Provenienz:BDABundesdenkmalamt
Träger:Flachware/Original
Umfang:75 Kartons
Zeitraum: 19381999
Details zur Ordnung:Ordnung nach Themen, innerhalb dieser chronologisch, beim Unterbestand "Bergungen" Ordnung nach Bergungsort
Anmerkungen:Der Bestand wurde zur Gänze von Yad VashemYad Vashem - The World Holocaust Remembrance Center ist eine Erinnerungs- und Forschungsstätte zur Geschichte des Holocaust. Die in Jerusalem angesiedelte Einrichtung verfügt über ein umfangreiches Archiv, siehe: http://www.yadvashem.org/. mikroverfilmt. Kopien dieser Mikrofilme sind im BDABundesdenkmalamt vorhanden.

Hilfsmittel für die Suche im Bestand (Findbehelf):